Gewalt in Beziehungen –

wenn Beziehungen weh tun

In nicht unerheblich wenigen Beziehungen kommt es früher oder später zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In den meisten Fällen ist dabei der Mann der gewaltausübende Teil. Es gibt jedoch auch Beziehungen, in denen die Frau Gewalt anwendet.

Im Folgenden wird Gewalt als körperlicher Akt gegenüber einem anderen, meist schwächeren, Menschen definiert.

Dazu zählen:
an die Wand oder auf den Boden drücken

 

  • festhalten/ umklammern
  • schieben und schubsen
  • schlagen
  • würgen
  • treten
  • beißen

Bevor körperliche Angriffe gegen einen Menschen angewendet werden, gibt es typischerweise verbale Vorboten. Dazu zählen: Beleidigungen, verbale Erniedrigungen, Anspucken, Bewerfen mit Gegenständen, Drohungen. In einer Paar-Beziehung sind diese Übergänge meist fließend und werden beidseitig oft nur schemenhaft wahrgenommen.

Ein normaler Streit eskaliert zunehmend. Die natürlichen Grenzen werden ausgedehnt – bis zu dem Punkt, dass kaum noch eine besteht. Die ersten gewaltvollen Übergriffe sind so überraschend und unerwartet, dass das Opfer meist sprachlos zurückbleibt.
Erst wenn sich die Angriffe wiederholen wird klar, dass dauerhaft eine Grenze überschritten wurde, die so einfach nicht wiederherzustellen ist.

Warum bleibt das Opfer in der Beziehung? Weshalb dauert es meist Jahre, bis Hilfe gesucht wird?

Es ist wichtig, die immer wiederkehrenden Mechanismen zu verstehen, die sowohl Opfer als auch Gewaltanwender in einer toxischen Beziehung verharren lassen.

Es gibt Menschen, die zu spät ihre eigenen Grenzen wahren. Das hat meist mit Grenzüberschreitungs-Erfahrungen aus der frühen Kindheit zu tun. Diese Menschen lassen einen sehr weiten Raum für das Wirken anderer Menschen in ihrem Space zu. Sie hoffen, dass der andere die Grenzen einhält. Damit geben sie viel ihrer eigenen Macht ab.

Daneben gibt es Menschen, die sich verbal nur sehr schwer behaupten können und Dinge im Stillen mit sich selbst ausmachen. Sie brauchen eine nahezu bedingungslose Unterstützung für sich und ihre Ideen. Jede Abweichung wird als Bedrohung erlebt. Dazu kommt das Gefühl von Ohnmacht, wenn im Konfliktfall der andere Partner verbal überlegen scheint. Das Handlungsmuster wirkt begrenzt und archaische Impulse brechen durch, um sich Ruhe und das Gefühl von Kontrolle zu verschaffen. Die Grenzen der Unversehrtheit werden überschritten.

Ein Gefühl von gemeinsamer Scham

Nach den ersten gewaltvollen Aktionen zieht sich der Akteur ( der gewaltanwendende Teil) erschrocken zurück und versucht zunächst, alleine mit den Geschehnissen klarzukommen.
Das Gewaltopfer hingegen ist meist schnell in der Lage auf den anderen versöhnlich einzugehen, da eine Idee von „Ich habe das provoziert!“ in ihr auftaucht. Es entsteht ein Gefühl gemeinsamer Scham und dem Wunsch, das Geschehene zu verdrängen, in dem ein Überangebot von Nähe kreiert wird. In einigen wenigen Fällen geht dieser erste Schritt auch von dem Gewaltanwender aus, doch in den meisten Fällen übernimmt das Gewaltopfer die Aktion.

Nun wird in dieser zweiten Stufe, in der „Nacheskalation“, eine ungewöhnlich intensive Nähe – sowohl verbal als auch körperlich – angeboten. Beide Partner versichern sich, dass sie in Zukunft solche Situationen nicht wieder erleben wollen und alles dafür tun werden, um gewaltfrei zu bleiben.

Das Gewaltopfer übernimmt einen nicht unerheblichen Teil der Aufarbeitung und beginnt damit, den Gewaltanwender zu entschuldigen und im nächsten Schritt zu entmündigen.

Neben der Scham, dass Nachbarn, Freunde und Familie von den Vorfällen erfahren könnten, kommt der selbstgegebene Auftrag zur Reparatur der Beziehung hinzu.

Je höher die Bildung des Gewaltopfers, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich frühzeitig Hilfe suchend an die Außenwelt gewendet wird.

Eine Spirale der Gewalt

Eine typische Spirale der Gewalt sieht folgendermaßen aus:

 

  • Sie kritisiert ihn.
  • Er fühlt sich ihr verbal nicht gewachsen, denkt: Ich mache ihr nie was recht. Er wird laut, schreit,
  • droht und nutzt seine körperliche Überlegenheit und…. schlägt.
  • Er oder sie zieht sich zurück.
  • Er hat Angst vor den Konsequenzen, geht auf sie zu, zeigt seine weiche Seite.
  • Sie ist berührt von seiner weichen Seite, die sie sonst nicht sieht. Sie lässt sich auf sein Flehen ein.
  • Er versucht wiedergutzumachen.
  • Sie geht auf sein Näheangebot ein.
  • Die Nähe wird intensiv.
  • Ihm wird die Nähe zu dicht, auch weil er sich unterlegen fühlt.
  • Er geht auf Distanz.
  • Sie sucht irritiert weiter Nähe.
  • Er geht noch mehr auf Distanz.
  • Sie ist gekränkt, beginnt mit Kritik.
  • Er zieht sich noch weiter zurück, er denkt, er kann es ihr nie recht machen.

Gewalt in Beziehungen – Systemische Paartherapie in Wuppertal

Ich möchte darauf hinweisen, dass die Verantwortung für das Anwenden von Gewalt ganz klar bei dem gewaltanwendenden Menschen bleibt. Kein Mensch ist berechtigt, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Sollte es zu solch grenzüberschreitenden Impulsdurchbrüchen kommen, besteht eine moralische und ethische Verpflichtung, das Opfer der Gewaltausübung zu schützen.
Jedoch wäre es zu kurz gedacht, Menschen die Gewalt erlebt haben, nur als „Opfer“ zu betrachten: Dadurch geschieht eine weitere Entmündigung, die ja schon durch die Gewaltanwendung vollzogen wurde. Jeder Mensch hat auch die Verantwortung, die eigene Unversehrtheit durchzusetzen und sich gegebenenfalls aktiv gegen Gewalteinwirkungen zu schützen. Sei es durch Trennung oder das Hinzuziehen von Hilfsangeboten.

In der Paar-Therapie kann ich als Therapeutin nun verschiedene Ansätze verfolgen:

Der Anteil des Mannes wird als Charakterzug der Gewalt behandelt und somit als nahezu unveränderbarer Bestandteil gewertet.

Diese Art der Paartherapie extrahiert einen „Täter“ und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die konstruktive Seite im Gewaltanwender vernachlässigen. Zudem wird so das Gewaltopfer in seiner Opferrolle bestärkt. Eine wirklich richtungsweisende und emanzipierte Beziehung kann aus dieser Sichtweise des Paartherapeuten nicht erwachsen.

2. Im systemischen Ansatz übernimmt der Therapeut/die Therapeutin die Rolle, gemeinsam mit den beteiligten Partnern die Gewalt als Ausdruck innerer Zustände und Dynamiken in der Beziehung zu betrachten. Es wird nach dem Muster in der Beziehung gesucht, welches (vorausgesetzt es gibt das gemeinsame Ziel) überschrieben werden kann. Und zwar in gleichem Maße, wie andere dysfunktionale Muster.
Dabei geht es sowohl auf der Paarebene als auch in der Einzelarbeit mit Klienten um eben jene Musterveränderung. Auch Partner, die sich nach Gewalt in Beziehungen trennen, sind gut daran beraten, sich Hilfe zu suchen, um nicht wieder in eine solche Spirale zu verfallen.

Veränderungen sind möglich – immer. Nur die Richtung ist manchmal unerwartet.

Wer immer das Gleiche tut, sollte sich nicht wundern, dass sich nichts ändert.

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